Reisezeit: Flughafenseelsorger haben Hochsaison
Eigentlich wollte das Pärchen eine romantische Urlaubswoche verbringen. Doch plötzlich bekam der Mann Panik und verliess fluchtartig den Stuttgarter Flughafen. Seine Partnerin liess er mit den gepackten Koffern stehen. «Solche Erlebnisse bewegen mich», sagt der 60-Jährige, der 1998 die Stuttgarter Flughafenseelsorge gegründet hat. Der Hektik entfliehen In dem kleinen, hellen Gebetsraum ist von der Hektik nichts zu spüren. Statt des Geräuschpegels in der Flughalle erklingt klassische Musik. Am Eingang liegt ein Gästebuch: «Lieber Gott, beschütze meine Pia», steht auf dem dicken Papier in einer zierlichen Handschrift. «Gott sei Dank, wieder daheim!» hat ein anderer Besucher notiert. Eine Frau schreibt: «Ich darf nach sieben Jahren meine Tochter hier am Flughafen abholen». Als Betriebsseelsorger ist er auch für die 9500 Bediensteten des Flughafens zuständig. «Der Flughafen ist das grösste Gemeindehaus der Welt», sagt er lächelnd. Rapp, der früher Seelsorger für Seeleute war, weiss: «Es ist wichtig, auf Menschen zuzugehen. Die meisten lassen sich gerne ansprechen.» Unterstützt werden sie von 34 geschulten Ehrenamtlichen. Sie stehen an einer Theke im Terminal und betreuen Menschen, die Hilfe bei ihrer Reise benötigen. «Reisende können sehr anstrengend sein, weil sie aufgeregt und unter Zeitdruck sind», sagt Ulrike Johanns. Da werde von den 75.000 Menschen, die auf dem Flughafen arbeiteten, sehr viel Verständnis und Freundlichkeit verlangt. «Aber nicht immer ist ihnen nach einem Lächeln zumute», weiss die Seelsorgerin. «Für diese Bediensteten sind wir die Kirche vor Ort». Ulrike Johanns bot mit ihrem Team Gottesdienste an, es wurde gebetet und gesungen. «Ein Mann aus Indien hat Kindern, die sich langweilten, auf seinem Laptop stundenlang Filme gezeigt», erinnert sich die Theologin. «Die Atmosphäre war gut, fast wie auf einem Campingplatz». Auch Weihnachten 2004 vergisst der evangelische Diakon Rapp nicht so schnell: Urlauber, die den Tsunami in Thailand überlebt haben, kommen auf dem Flughafen an. In Badelatschen und T-Shirts landen sie in ihrer winterlichen Heimat. Der evangelische Seelsorger verteilte kostenlos warme Kleidung und kümmert sich um eine Frau, die ansehen musste, wie ihr Mann von einer Riesenwelle erfasst und an die Wand des Hotels geschleudert wurde. Webseite: www.airportchapel.de | ||||||||
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