Sex: Lust, Freude und immer mehr Frust?

Sex ist ein Hauptthema unserer Gesellschaft. Viele meinen damit einfach Lustgewinn, andere meinen mehr. Manche reden gar nicht darüber. Vielleicht gilt es, dieses große Geschenk wiederzuentdecken.

 
Freude oder Frust?
Freude oder Frust? Sie haben die Wahl.
Im engsten Familienkreis wird zwar aufklärend darüber gesprochen, im Intimbereich der Ehe aber erlebt man Lust und Frust. In der Tiefe des Herzens leidet jeder Mensch an seinem Hunger nach Liebe und Zuwendung, nach Einssein. Die Sehnsucht nach erfüllter Sexualität treibt dann oft im Verborgenen auf die heimliche Suche nach Befriedigung. Das Resultat ist, nebem einem schlechten Gewissen und der Schuld, oft eine immer grössere Unfähigkeit, Sexualität als eine gute Gabe zu leben und zu geniessen.

Reden ja - aber wie?
In der Öffentlichkeit bemüht man sich durch Vorträge und Bücher um Lebenshilfe und Aufklärung. Trotzdem scheuen wir uns vor dem offenen Gespräch, merken unsere Sprachlosigkeit, weil die Worte fehlen. Aber über Sex darf man reden! Er gehört zum Leben dazu.

Die innere Einstellung prägt unser Reden. Wer im Herzen verstanden hat, wie Sexualität gemeint ist, der wird offen, klar, sauber, natürlich darüber reden. Zweideutige, anzügliche Bemerkungen offenbaren, dass man die Schönheit und Reinheit der Sexualität noch nicht begriffen hat.

Was soll die Sexualität?
In der Tier- und Pflanzenwelt läuft Sexualität nach einem festgelegten, biologischen Programm ab. Sie dient der Arterhaltung. Auch beim Menschen finden wir die biologische Ebene, einen biochemischen Prozess, der sich im Sexualzentrum des Gehirns abspielt. Dieser biologische Trieb ist beim Menschen aber verknüpft mit dem seelisch-geistigen Bereich. Ein sexueller Reiz wird im Gehirn wahrgenommen. Die Sexualreflexe werden aber erst enthemmt, wenn im seelisch-geistigen Bereich eine „ethische Freigabe" erfolgt. Wir können unsere Sexualität steuern, sowohl in Richtung der Entfaltung, wie auch zum Verzicht.

Sobald zwei Menschen in das sexuelle Geschehen einbezogen werden, kommt noch die soziale Ebene dazu, die Beziehung zu einem Partner. Alle drei Ebenen, die biochemische, die seelisch-geistige und die soziale, müssen miteinander verwoben und abgestimmt sein, damit Sexualität eine liebevoll erlebte geschlechtliche Vereinigung werden kann.

Und vor der Ehe?
Frühzeitiger genitaler Kontakt wird allerorten propagiert. Wichtig sei nur, dass man dabei ein Präservativ verwendet. Die Angst vor Aids scheint das einzige Hindernis zum vollen Genuss zu sein. Aber davor kann man sich ja schützen.

Geht es wirklich nur darum? Wir wissen, wie schwer es für junge Menschen ist, dem Sog der gängigen Meinung und dem eigenen drängenden Sexualtrieb zu widerstehen. Trotzdem machen wir Mut zur Enthaltsamkeit vor der Ehe. Es ist ein guter Weg zur psychosexuellen Reifung.

Von Amerika kommt eine moderne Bewegung: „Wahre Liebe wartet". Junge Menschen verpflichten sich mit ihrer Unterschrift zur sexuellen Enthaltsamkeit vor der Ehe. Eine gute Sache. Aber die Unterschrift allein bringt's nicht. Hilfreich ist es nur dann, wenn im Herzen eines jungen Menschen, eines verliebten Paares, die Entscheidung freiwillig reift: Wir vereinbaren klare Grenzen aus Achtung und Liebe zum Partner.

In der Ehe sollte man ...
Die geschlechtliche Vereinigung schafft eine so tiefe und einzigartige Verbindung, dass sie nur in die lebenslange Treuegemeinschaft der Ehe hineinpasst. Gott zieht eine klare Grenze um die Ehe. Sie ist ein Schutzraum für die Lebens- und Geschlechtsgemeinschaft, die Schwangerschaft und Betreuung der Kinder.

Durch die körperliche Verschmelzung wird eine ganzheitliche Beziehung geschaffen, die letztlich ein Schöpfungsgeheimnis ist. Sex darf und soll in der Ehe nicht nur zur Familienbildung, sondern zur gegenseitigen Freude und Beglückung geübt werden. Das Begehren nach dem andern Geschlecht steckt tief in der Natur des Menschen. Es bewegt Mann und Frau zueinander hin und erfüllt ihre Verschiedenartigkeit mit einer Spannung.

Forderungen sind tödlich
Eigenartigerweise verliert aber gerade in der Ehe Sex oftmals den Wert. Man ist so ausgefüllt mit Arbeit, Kindern und Aktivitäten, dass zum geschlechtlichen Eheleben kaum noch Zeit und Muse bleibt. Klingt es nicht nach einem Beziehungskiller, wenn Frauen sagen: „Wenn du dir Zeit zum Gespräch mit mir nehmen würdest, würde ich mit dir schlafen." Und aus Männermund heißt es: „Wenn du mit mir schlafen würdest, hätte ich auch wieder Lust zum Reden."

Nur der liebende Umgang miteinander hilft uns, die unterschiedlichen Bedürfnisse zu verstehen und zu respektieren. Sexualität ist kein Machtmittel, mit dem ich mir den Partner gefügig mache. Es ist Hingabe meines Lebens an den geliebten Menschen. Ich schenke und öffne mich ihm ganz.

Erfahrung im Alter
Dass das Feuer der Liebe auch im Alter noch lodern kann, bewies uns ein Bauernehepaar mit über siebzig Jahren. Er brachte ihr von einer Tagung das Buch «Wie schön ist es mit dir» als Geschenk mit. Sie lasen es sich gegenseitig vor. Ihr Kommentar: „Ich entdecke erst jetzt, wie schön Sex sein kann!"

Singles ausgeschlossen?
Sexualität ist nicht ein Organ, sondern unsere geschlechtliche Identität, die uns von Kopf bis Fuss umfasst. Ehelose können die Sexualität nicht ausschalten, sie sind kein Neutrum. Sie bringen ihre Sexualität auch in ihre Beziehungen mit ein, aber freigesetzt werden sollte sie in der Ehe.

Sexualität ist vielschichtig, kreativ, und kann nicht nur als geschlechtliche Vereinigung gelebt werden. Sexuelle Enthaltsamkeit ist weder für die Psyche noch für den Körper schädlich, wenn sie aus freier eigener Entscheidung geübt wird. Sexualität muss dabei nicht verdrängt, sondern kann auf andere Aufgaben umgeleitet werden.

Zärtlichkeit im Umgang miteinander bedeutet ja nicht nur Berührung. Es ist auch der liebevolle Blick, das tröstende Wort. Es ist die Karte, die ich schreibe. Es sind die Blumen, die ich hinstelle. Es ist der feinfühlende, wohltuende Umgang, der den andern sieht, für ihn Gutes will. Wenn Singles ihr Mann- und Frausein ganz annehmen und bejahen, kann daraus eine tiefe Mütterlichkeit und Väterlichkeit erwachsen, die ins ganze Leben ausstrahlt.

Kostbares Pfand
Viele Menschen erleben sportliche Aktivitäten als guten Ausgleich der Spannungen, die mit der Sexualität zusammenhängen. Die Pflege des eigenen Körpers und eine gute Beziehung zu ihm gehören ebenso dazu wie passende Kleider und die rechten Bewegungen.

Sexualität ist ein kostbares Pfand in der Hand des Menschen. Bei gutem Gebrauch baut es auf, dient es dem Leben. Bei schlechtem Gebrauch zerstört es und reisst nieder.

Liebe nivelliert nicht...
...Sie verbindet Gegensätze - und engt den anderen nicht ein.
...Sie lässt dem andern die Freiheit, er selbst zu sein - und entwertet ihn nicht.
...Sie schenkt dem andern Anerkennung und Wertschätzung - uind zieht sich nicht
   beleidigt zurück.
...Sie baut eine Brücke zum Herzen des andern - und verschliesst das Ohr nicht vor ihm.
...Sie nimmt Anteil und hört aufmerksam zu - und entzündet sich nicht am Liebesobjekt.



Bearbeitung: Lebenshilfe-net.ch

Autor: Vreni Theobald

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