lebenshilfe-net.ch - 18.01.2022, 12:32
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Wie bewahre ich mein Kind vor einer Sekte?

Ein Überangebot an Gruppen und Kursen verspricht Heil in irgendeiner Form - schafft doch meist nur Abhängigkeiten. Was kann ich tun, damit mein Kind dort nicht hineinrutscht?

Wie kann man die eigenen Kinder vor Sekten schützen?

Es ist einfacher, einer Abhängigkeit vorzubeugen, als auf einen Ausstieg hinzuwirken. Wir wünschen uns, dass unsere Kinder Ziele verfolgen und Wege beschreiten, auf denen sie schliesslich ihr Leben verantwortlich gestalten. Auch wenn es Eltern nicht in der Hand haben, woran sich ihre größer werdenden Kinder orientieren, kann man doch mit ihnen zusammen gesunde Verhaltensweisen einüben.

1. Vermitteln Sie Ihrem Kind ein gesundes, realitätsnahes Selbstbewusstsein.
Dieses ist nötig, um dem Druck Gleichaltriger, dem Stress in Ausbildung und Beruf und den Verlockungen der Freizeitgesellschaft standzuhalten. Was, wenn eine Clique Wärme anbietet? Ohne Selbstbewusstsein wächst die (vielleicht unbewusste) Neigung, einen Strohhalm zu ergreifen, in einen geschützten Raum abzutauchen oder sich durch Mittun in einer extravaganten Gruppe von den andern abzuheben.

Die Aufgabe, ein gesundes Selbstbewusstsein zu vermitteln und zu pflegen, beginnt beim Kleinkind und wird beim Teenager umso anspruchsvoller. Grundlage ist: Ihr Kind soll aus seinen Talenten das Beste machen. Seine Anlagen bedürfen der Pflege und der Korrektur, damit seine Persönlichkeit reift.

Setzen Sie auf dieser Grundlage Ihrem Kind Grenzen und verhätscheln Sie es nicht. Ringen Sie um die Nähe zu ihm, wenn es Schweres durchmacht, etwa in der Schule. Bleiben Sie dran, wenn es in Turbulenzen gerät. Bitten Sie um Verzeihung, wenn Sie Fehler gemacht haben. Eine vertrauensvolle Beziehung ist Gold wert.

2. Helfen Sie Ihrem Kind, freie und gegenseitige Freundschaften aufzubauen und zu pflegen.
Neben den Beziehungen mit Gleichaltrigen sind auch langjährige Kontakte mit Familienangehörigen und Bekannten wertvoll. Es soll erleben und wissen, dass es in einem grossen Netz von Personen aufgehoben ist, die einander vertrauen. Erlauben Sie Ihrem Kind, mit Freunden Besonderes zu unternehmen, und schaffen Sie in Ihrer Familie eine Atmosphäre, in der sich die Freundinnen und Freunde bei Besuchen wohlfühlen.

3. Helfen Sie Ihrem Sprössling zu gesunder Distanz
Es ist nicht gut, wenn Ihr Kind auf Unterhaltungs- und Sinn-Angebote unkritisch „abfährt". Der Sohn soll lernen, Angebote zu nutzen, ohne ihrem Reiz zu erliegen. Die Tochter soll üben, Events zu geniessen, ohne ihnen zu verfallen. Zeigen Sie ihnen den Unterschied zwischen Verehren und Vergötzen und sprechen Sie über die Wirkung von Rausch- und Suchtmitteln.

4. Reden Sie mit Ihrem Teenager über die vielfältigen Sinn-Angebote.
Sinn wird nicht allein in eigenartigen Gruppen und Sekten angeboten. Diskutieren Sie mit ihm die verschiedenen Lebensentwürfe, die in Fernseh- und Kinofilmen zum Ausdruck kommen: Was treibt Menschen letztlich an? Woran hängen sie? Was macht den Hauptdarsteller zum Helden?

Auch wenn es scheint, dass Jugendliche das kindliche Staunen verlernt haben: Fragen haben sie allemal. Nehmen Sie sich Zeit fürs Gespräch, besonders während Familienmahlzeiten.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Sekten und Guru-Typen

5. Sagen Sie Ihrer Tochter / Ihrem Sohn, welche Gruppen oder Psychotechniken und Kurse Ihrer Meinung nach in die Irre führen.
Helfen Sie ihr / ihm, leere Heilsversprechen als solche zu entlarven. Informieren Sie sich, was zur Zeit akutell ist und als besonders reizvoll gilt. Bücher und Webseiten von diversen Beratungsstellen informieren über bestehende Sekten und Psychotechniken.

 

Bearbeitung: Lebenshilfe-net.ch

Autor: Peter Schmid

 
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