lebenshilfe-net.ch - 26.02.2024, 14:30
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Führen Sie ein «Hotel Mama»?

 
Hotel Mama
Mütter verhätscheln gerne ihre Kinder. Manchen Müttern ist es ein regelrechtes Bedürfnis, die Kinder zu umsorgen. Das kann so weit gehen, dass die Kinder kaum mehr flügge werden und sich noch Mitte 20 von Mama die Socken waschen lassen.

Im „Hotel Mama" lässt sich gut leben: immer warmes Essen, frische Kleidung und ein aufgeräumtes Zimmer. Kein Wunder also, dass sich der Sohn, wenn er heiratet, sich von der Ehefrau gleich weiter bemuttern lassen möchte.

Kinder und Teenanger brauchen Liebe und Geborgenheit; aber auch Achtung und die nötige Distanz vor den Eltern. Es ist nicht immer einfach, hier ein gutes Gleichgewicht zu halten. Schliesslich will man das Beste für sein Kind. Eine Mutter sollte dem Kind nicht dauernd in der Seele grübeln. Wenn ein Kind sich aus der Nähe der Mutter zurückzieht und nichts erzählen will, muss man das auch akzeptieren.

Zuviel der „Mutterliebe"
Es gibt Frauen, die wollen sich das nicht eingestehen. Aus reiner Mutterliebe, wie sie meinen, mischen sie sich weiterhin in die Angelegenheiten der Kinder ein und ordnen und planen für sie das ganze Leben: Sie kochen, waschen, bügeln, kaufen ein, betreuen die Aufgaben usw. Ob hier nicht auch gewisse Portion Neugierde und Egoismus mit im Spiel sind?

Das Ganze führt jedenfalls zwangsläufig zum Hotel-Mama-Syndrom. Da Mama alles bequem abnimmt, ziehen die erwachsenen Kinder gar nicht mehr aus.

Würde für alle
Um ein „Hotel Mama" zu vermeiden, sollten Würde und Achtung in der Familie eine grosse Rolle spielen. Es hat etwas Unwürdiges, wenn die Mutter noch in den Teenagerjahren ihren „Kleinen" alles aus dem Weg räumt und für sie erledigt.

Das soll nicht heissen, dass nicht mehr gekocht wird. Jedoch Zimmer, Taschengeld und Schulangelegenheiten müssten selbständig bewirtschaftet werden. Zum Wachsen und Reifen gehören auch Fehler. Also: Nicht nörgeln, kritisieren und ständig nachtragen, wenn mal etwas - nach Einschätzung der Mama - schiefgeht. Ist die Sache bereinigt, dann ist sie wirklich vom Tisch.

Ämtli für alle
Ein Teeanger soll alleine entscheiden können, welche Freunde er haben will und wie er seine Freizeit gestaltet. Mit Ausnahme der Zeit, wann er abends zu Hause sein muss. Ausserdem sollen Teenager lernen, zu waschen, zu bügeln und zu putzen. Ein Ämtliplan kann hier helfen. Wichtig ist, dass die Mutter die Würde der Kinder und später der Teeanger bewahrt, denn Teenies leben ihr eigenes Leben und sollen sich darin entfalten.

Dazu gehört auch, die Sachen der Kinder nicht mehr anzutasten. Die einzige Ausnahme, in den Sachen der Kinder zu stöbern, ist nur noch beim dringenden Verdacht von Drogen, Okkultimus oder Kriminalität.

Tipps für mehr Selbständigkeit

  • Vermeiden Sie übertriebene Fürsorge, das hält Kinder unselbständig

  • Bringen Sie Ihrem Kind schon früh bei, im Haushalt zu helfen (auch schon ein Dreijähriger kann seinen Becher wegräumen)

  • Halten Sie das Kind immer wieder an, Ordnung zu halten, Taschen auszuräumen, selbständig Sporttaschen zu packen

  • Bringen Sie Ihrem Kind bei, mit dem Taschengeld sinnvoll umzugehen (keinesfalls immer Geld nachstopfen)

  • Lassen Sie Ihr Kind eine eingebrockte Suppe auch 'mal selbst auslöffeln

  • Zeigen Sie Ihrem Jugendlichen, wie er ein einfaches Essen zubereiten kann

  • Führen Sie Ihren Teenager in die Waschküche ein, legen Sie mit ihm die Wäsche zusammen

  • Vermeiden Sie es, sich in alle Angelegenheiten des Teenagers einzumischen

  • Halten Sie sich stets bereit, um dem Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite zu treten - wenn der das wünscht

  • Unterstützen Sie den jungen Erwachsenen in seinem Vorhaben, eine Wohnung zu suchen und Geld zu verdienen, um selbständig im Leben zu stehen
Bearbeitung: Lebenshilfe-net.ch

Autor: Iris Muhl

 
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