lebenshilfe-net.ch - 26.02.2024, 15:02
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Symptome nicht erklärbar

Fast jeder Zweite, der einen Arzt aufsucht, (40 Prozent) leidet an einem von 14 Symptomen. In bis zu 90 Prozent der Fälle kann dabei keine körperliche Ursache nachgewiesen werden.

In einer Studie bei 1000 Patienten, die ein Ambulatorium aufsuchten, wurden die körperlichen Beschwerden genauer abgeklärt. Häufig fand sich keine organische Ursache, auch wenn sich die Beschwerden schon über Jahre hinzogen.* Die Zusammenfassung dieser Studie schaut wie folgt aus:

Ursache in %
Symptome

 eindeutig
organisch
 eindeutig
psychogen
unklar 
 Schwindel 18 2 80
 Atemnot 24 3 73
 Impotenz 21 4 75
 Kopfweh 10 15 75
 Brustschmerz 11 6 83
 Schlafstörungen 3 50 47
 Gewichtsabnahme 5 28 67
 Husten 40 0 60
 Ödeme 36 0 64
 Bauchweh 10 0 90
 Verstopfung 0 0 100
 Müdigkeit 13 21 66
 Gefühllosigkeit 19 4 77
 Rückenweh
 10 0 90

Eine andere Studie hat gezeigt, dass in 25 bis 50 Prozent aller Hausarztbesuche keine ernsthafte medizinische Störung festgestellt werden konnte. Häufigste Diagnose: «worried well» («besorgte Gesunde»). Dahinter stehen oft Stress oder psychische Störungen.

Die Art und Weise, wie der behandelnde Arzt auf unerklärbare Symptome reagiert, prägt seine Beziehung zum Patienten ganz entscheidend. Was aus diesen Zahlen ebenfalls hervorgeht: Medizinisch unerklärte Symptome sind also für einen wesentlichen Teil der Gesundheitskosten verantwortlich.

 
Unerklärbare Symptome
Viele unerkannte Leiden

20 bis 30 Prozent der Hausarztpatienten erfüllen die Kriterien für mindestens eine psychische Störung. Rund zwei Drittel von ihnen kommen zuerst mit der Klage von Kopfweh oder Müdigkeit. Bei der Hälfte der psychisch Kranken wird keine richtige Diagnose gestellt (Untersuchung von Katon & Walker, 1998).

Es ist aber nicht verwunderlich, dass Patienten mit Depressionen und Ängsten deutlich häufiger medizinisch unerklärbare Symptome haben als andere. Umgekehrt gilt, dass Patienten, die sehr intensiv abgeklärt werden, unter Stress häufiger Krankheiten mit derartigen Symptomen entwickeln. Dafür disponiert sind auch Menschen mit unguten Erfahrungen in der Elternfamilie und der früheren Krankheit und /oder mit spezifischen Faktoren in ihrer Persönlichkeit.

Beispiel
Herr B. erlebt die Arbeit im Grossraumbüro einer Bank als stressig: Telefonate in Fremdsprachen, Kollegen platzen herein, Bürokollegen führen andere Gespräche, der Computer stürzt ab.

«Wie haben Sie reagiert?» - «Es beginnt mit Magenkrämpfen. Dann bekomme ich dieses einseitige Kopfweh, fast wie eine Migräne. Und dann muß ich plötzlich aufs Klo. Der Durchfall kommt wie angeworfen und dauert etwa eine Stunde. Wenn es mir dann auch noch schwindlig ist, kann ich mich nicht mehr konzentrieren. Oft finde ich kaum mehr die richtigen Worte. Dann macht mir jedes Telefon Angst. Ich habe mich schon mehrmals von der Arbeit abmelden müssen, weil ich den Stress nicht mehr ausgehalten habe!»

Bearbeitung: Lebenshilfe-net.ch, Lothar Mack
* Kroenke & Mangelsdorff 1989, Am. J. Medicine

Autor: Dr. med. Samuel Pfeifer
Quelle: seminare-ps.net

 
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