Spiritualität: Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg
"Es gibt ein neues Interesse am Religiösen", titelte kürzlich das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Hamburg). Die Sinnsucher unserer Zeit gelangen mit ihren Fragen freilich immer seltener an die traditionellen Kirchen. So messen 57 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer einer repräsentativen Umfrage der Zeitschrift "Beobachter" (Zürich) zufolge,dem Glauben an Gott eine wichtige Bedeutung für ihr persönliches Leben zu. Jedoch haben 61 Prozent der Befragten nur "sehr wenig" Vertrauen in die Kirche und ihre Repräsentanten wie Pfarrer, Priester oder Bischöfe. Massive Entchristlichung im Westen Religiöses Interesse vorhanden Das Buch ist mitverantwortlich, dass derzeit ein wahrer Ansturm von Pilgern den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela entlang marschieren - so viele Menschen wie nie zuvor in der Geschichte. Laut "National Geographic Deutschland" buchen weltweit jedes Jahr 300 Millionen Menschen ihre Ferienreise aufgrund von religiösen Motiven. Nicht nur spirituelle Literatur oder Reisen liegen im Trend, auch boomen so manche Esoterikkreise, Psychozirkel oder Sekten mit einem schier unendlichen Angebot von Kursen und Seminaren. Warum boomt Spiritualität - nicht aber Kirche? Sektenexperte Schmid: "Was man hat, ist uninteressant. Spannend ist das Neue." Das Geheimnis erfolgreicher Spiritualität
Ebenso sind Gemeinschaften im Trend, die das Göttliche persönlich erlebbar machen. Schmid: "Mit einer Energie, einem Kraftfeld kann ich keinen Dialog haben, mit meinem Schutzengel aber sehr wohl." Was bringt mir das? Glaubwürdigkeit ist entscheidendes Kriterium Verliert eine Gemeinschaft ihre Glaubwürdigkeit, dann wird es schwierig. Leider hat das Christentum insgesamt in westlichen Kontext an Glaubwürdigkeit eingebüsst. Dies hat auch mit der unterschiedlichen Bekanntheit der verschiedenen Religionen zu tun. So werden zum Beispiel die blutigen Epochen des Papsttums in unserem Geschichtsunterricht behandelt, die mindestens ebenso blutigen Epochen der Geschichte der Dalai Lamas aber nicht. Dass christliche Kleriker oft unzulänglich ihrer eigenen Botschaft nachleben, ist uns hochpräsent - nicht aber, dass sich dies bei buddhistischen Exponenten genauso verhält. Christentum wenig im Trend "Wo einzelne Trend-Freikirchen wachsen, tun sie dies auf Kosten anderer Freikirchen, die kleiner werden", sagt Schmid. Wer Gottesdienste angeblicher "Trendgemeinden" besucht, der merkt dort die Ratlosigkeit: Man tut alles, um die Botschaft für den Geschmack moderner Menschen appetitlich zuzubereiten, und doch wird diese weitestgehend verschmäht. Auch wenn es stets neu ein Anliegen sein muss, die christliche Botschaft in die Ausdrucksformen der Zeit zu übersetzen, so gilt letztlich doch: gegen Trends kann man nicht ankämpfen, man kann sie nur durchstehen. Georg Otto Schmid: "Das Christentum wird darob nicht untergehen. Gerade in Zeiten und an Orten, wo das Christentum klein war, hat es besondere Dynamik entwickeln können." | ||||||||||||||||
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