Begegnung mit der Freimaurerei
In Kontakt mit der Freimaurerei (FM) kam ich durch einen langjährigen Freund, der sich in einem persönlichen Gespräch als Freimaurer zu erkennen gab und mich fragte, ob ich auch Mitglied werden wolle. Ich war damals promovierter Ökonom der Universität St. Gallen und hatte als Lehrer an einem Wirtschaftsgymnasium, als Sekretär bei einem Verband sowie im Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei einem Schweizer Konzern gearbeitet. Mein Freund versorgte mich mit Informationen über die FM und klärte mich über die Anliegen und Ideale auf. Diese sprachen mich sehr an. Anliegen und Ideale der Freimaurerei Gegen Machtansprüche Auch im Bereich der Religionen und Konfessionen ging und geht es nicht um deren Abschaffung, sondern um die Relativierung ihrer Ansprüche. Eine lange und wechselvolle Geschichte hatte die Auseinandersetzung der FM mit der katholischen Kirche. Im 20. Jahrhundert kämpften Freimaurer an vorderster Front mit gegen Kommunismus und Nationalsozialismus, gegen Absolutheitsansprüche also von Klassen und Parteien oder Rassen und Nationen. Der Bau der Menschheit Dieses Ideal wird in der FM symbolisch durch einen Bau, den salomonischen Tempel, dargestellt. Die FM will den Bau der Menschheit vorantreiben und ihre Mitglieder für die Teilnahme an diesem grossen Werk vorbereiten und schulen. Vom Anfänger („Lehrling") an sollen die Mitglieder Mitarbeit üben. Sie sollen lernen, sich in den Bau einzufügen, gemeinschaftstüchtiger zu werden, sowie später (als „Geselle" und „Meister") auch planerische und leitende Funktionen zu übernehmen. (Zu diesen drei Graden können noch verschiedene „Hochgrade" hinzukommen.) Grundsätzlich sollen alle Menschen an diesem Bau teilnehmen können - unabhängig von ihrer Klasse, Nation oder Religion. Die FM will keine Religion sein, obwohl sie selbst wesentliche Merkmale einer (Mysterien-) Religion trägt. Sie konzentriert sich ganz auf das Diesseits, die Gestaltung dieser Welt hier und jetzt. Symbole
Das Handeln („Arbeiten") soll geleitet werden durch „Drei grosse Lichter": Die heilige Schrift als Sinnbild für einen höheren Willen, das Winkelmass als Sinnbild für Gerechtigkeit und Recht sowie der Zirkel als Symbol für umfassende Menschenliebe. Dazu kommen „Drei kleine Lichter": Weisheit, Stärke und Schönheit, die den Bau auszeichnen sollen. Die ‚regulären' Logen erwarten von ihren Mitgliedern den Glauben an eine höhere Macht. Diese wird in der FM als „Allmächtiger Baumeister aller Welten" bezeichnet. Die inhaltliche Füllung dieses Begriffs ist aber jedem Freimaurer freigestellt. Glaube ist Privatsache. Bedeutung und Verbreitung der FM Prominente Mitglieder, die sich zu ihrer Mitgliedschaft bekannten und bekennen, sind die Aushängeschilder der FM. Es sind in der Regel Menschen, die einen bedeutenden Beitrag zum „Bau der Menschheit" beigetragen haben. Diese und weitere Informationen veranlassten mich dazu, dem Bund der Freimaurer beizutreten. Enttäuschung... Die Enttäuschung begann schon am Tag der Aufnahme. Es war ein strahlender Frühlingstag. Wir, ein Kollege und ich, wurden zuerst, jeder für sich, in eine Dunkelkammer geführt, wo wir, bei Kerzenlicht und Totenkopf, nochmals überlegen konnten, ob wir wirklich beitreten wollten. Nach Unterzeichnung einer Erklärung wurden uns die Augen verbunden und die Kleider in Unordnung gebracht. Wir waren nun symbolisch „blind" und „nackt". So wurden wir in den Logenraum geführt. Dort empfingen wir nach einer symbolischen Wanderung „Licht" - die Augenbinden wurden uns abgenommen, die Kleider wieder in Ordnung gebracht. Nun konnten wir das Innere der Loge und die versammelten Freimaurer sehen. Während draussen die Sonne strahlte, sahen wir also drinnen nach einer künstlichen Verdunkelung künstliches Licht. Mir kam das Ganze irreal und seltsam vor. Mit der Zeit verstärkten sich diese Eindrücke. Manches an den „Tempelarbeiten" war mir auch unheimlich. Und unbegreiflicherweise begann eine alte Operationsnarbe wieder zu schmerzen. Ich war sehr irritiert und desorientiert. Einerseits war ich von der Sache überzeugt, andererseits hielt ich es irgendwie schlecht hier aus. ...und Entwirrung Jesus als der Eckstein... ...und das offene Gespräch
Ich hingegen brauche immer wieder das klärende, offene Gespräch. Aussprache, Zusprache, Absprache usw. Ohne solche Kommunikation kann es meines Erachtens auch keine zielgerichteten, sinnstiftenden und nachhaltigen menschlichen Gemeinschaftswerke geben. Mit grosser Freude und Erleichterung konnte ich feststellen, dass ich mit diesem Bedürfnis nach offener, echter, befreiender Kommunikation nicht allein bin, sondern dass wir sogar an einen Gott glauben können, bei dem dies von zentraler Bedeutung ist („Im Anfang war das Wort..."). Es entstand der Wunsch, Sprecher nicht nur der Industrie, sondern dieses Gottes zu werden. Ich studierte Theologie. Über ein Jahrzehnt habe ich als Pfarrer in der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Baselland gearbeitet. Bausymbolik und christlicher Glaube · Jesus Christus ist der Eckstein, beziehungsweise das Fundament, und „ein anderes Fundament kann niemand legen..." Das heisst: Es geht nichts ohne ihn, seinen Geist und seine Heilsgüter wie: sein Wort, seine Liebe, seine Versöhnung und Vergebung. Wo er und seine Vergebung fehlen oder nicht im Zentrum sind, da besteht meines Erachtens die Gefahr, dass das Ganze gnadenlos wird. · Auf seinem Bau können nicht nur Männer, sondern auch Frauen, ja sogar Kinder, mitwirken, nicht nur „Unversehrte", sondern auch Arme, Kranke, Behinderte. Das hängt damit zusammen, dass er, nach unserem Glauben, letztlich nicht Menschenwerk, sondern Gottes Werk ist. Gott selbst macht uns, soweit wir das wollen, fähig und tüchtig zur Mitarbeit. · Der Bau Christi ist nicht etwa ein Bau, den wir erst im Himmel, im Jenseits finden. Er beginnt schon auf dieser Welt, schliesst diese Welt mit ein, geht aber über diese Welt hinaus und steht unter der Verheissung, ewig zu bestehen. Auch als Christen sollen wir uns also nicht einzig auf uns selbst konzentrieren und uns in irgendeine Innerlichkeit zurückziehen, sondern wir haben schon einen Auftrag für diese Welt und ihre Mitgestaltung. Damit stehen wir in Konkurrenz zu anderen „Bauleuten", die sich ebenfalls für eine bessere Welt einsetzen. Diese Konkurrenz sollte nach meiner Auffassung, wie in der Wirtschaft, nicht ‚ruinös', sondern in gegenseitigem Respekt, ohne Gewalt, fair und möglichst offen ausgetragen werden. Wichtig ist mir dabei, dass wir am Absolutheitsanspruch von Jesus Christus festhalten, uns an ihm orientieren und an seinem Wort: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte nicht!" Link zum Thema: Mehr über die FreimaurereiAutor: Martin Hohl-Wirz | ||||||||||||||||||||||||
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