Scientology verurteilt – Fortbestand erlaubt

 
Alain Rosenberg
Alain Rosenberg
Die Scientology-Organisation ist in Frankreich zu einer drastischen Geldstrafe wegen Betrugs verurteilt worden, einem Verbot jedoch entgangen. Opfer-Anwälte sprachen von einem historischen Urteil.

Scientology wird vorgeworfen, Mitglieder psychisch unter Druck gesetzt und sie um Zehntausende Euro gebracht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte verlangt, den französischen Zweig der Organisation vollständig aufzulösen.

Die höchste Strafe erhielt laut Bericht Scientology-Führungsmitglied Alain Rosenberg; er wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 45.000 Franken Geldbusse verurteilt. Drei weitere Mitglieder erhielten bis zu 18 Monaten auf Bewährung und Geldbussen bis zu 30.000 Franken.

Zwei Scientology-Unterorganisationen, das «Celebrity Center» und die Buchhandlung, wurden zu 600‘000 und 300‘000 Franken Geldstrafe verurteilt.

«Ausnutzung von Mitgliedern»
Der Organisation wird vorgeworfen, Mitgliedern unter Ausnutzung ihrer Verwundbarkeit fünfstellige Geldsummen abgenommen zu haben. In dem Urteil heisse es, die Methoden der Organisation stellten einen Straftatbestand dar, so die Medien.

Das Gericht warf Scientology vor, die angewandten Persönlichkeitstests seien ohne wissenschaftlichen Wert. Auf die Anhänger werde Druck ausgeübt; sie hätten kaum Möglichkeiten, Zahlungen an Scientology rückerstattet zu bekommen.

Auflösung verhindert
In dem Verfahren war neun Jahre ermittelt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte die Auflösung von Scientology und Geldstrafen von bis zu sechs Millionen Franken gefordert; eine Auflösung war allerdings wegen eines gesetzgeberischen Irrtums ausgeschlossen. Die Möglichkeit, Organisationen wegen Betrugs aufzulösen, war wenige Wochen vor Prozessauftakt im Mai «versehentlich» aus dem Strafgesetzbuch gestrichen worden. Ein Verbot berge die Gefahr, dass die Organisation ihre Aktivitäten «ausserhalb des gesetzlichen Rahmens» fortsetze, erklärte das Gericht.

Scientology-Gegner äusserten den Verdacht der Manipulation. Mitte September wurde die Möglichkeit zur Auflösung durch eine erneute Gesetzesänderung wieder in das Strafgesetzbuch aufgenommen. Für das Scientology-Verfahren kam das aber zu spät.

«Ein historisches Urteil»
Anwälte der Opfer erklärten, erstmals sei in Frankreich Scientology als Organisation wegen bandenmässigen Betrugs verurteilt worden; daher handele es sich um ein historisches Urteil. Auch die interministerielle Sektenkommission der Regierung zeigte sich erfreut über die "harten Strafen". Die Sektenopfer-Vereinigung Unadfi erklärte, das Urteil erlaube, künftig eine bessere Kontrolle von Scientology.

Scientology kündigte dagegen Berufung wegen «offenkundiger Widersprüche» in dem Urteil an. Entscheidend sei jedoch, dass Scientology weiterarbeiten könne, zitiert die Tageszeitung «Le Figaro» Scientology-Anwalt Patrick Maisonneuve. Scientology beziffert seine Mitgliederzahl in Frankreich laut «Figaro» auf rund 45‘000.


Quelle: Livenet / Kipa
Datum: 29.10.2009

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